Wildwest in Südwest

Hopfenburg-6quer

Was Michael Zöller und Andreas Hartmaier sich vorgenommen hatten, war eigentlich unmöglich: Ein großer Campingplatz in einer touristisch eher schwach erschlossenen Region, gleich neben einem riesigen, heute verlassenen Truppenübungsplatz, der die Gemeinde Münsigen über Jahrzehnte ernährte. Aber nicht irgendein Campingplatz: Ihrer sollte naturnah und umweltfreundlich sein, dazu integrativ und behindertengerecht. Und er sollte fantasievoll sein und seine Gäste mit vielen unterschiedlichen Dächern über den Köpfen begeistern. Es hat geklappt: Das Hofgut Hopfenburg verzaubert heute Camper auf der Schwäbischen Alb.

Hopfenburg-7Zum ersten Mal trafen sich Andreas und Michael, als die Not schon groß war. 2006 sollte der Truppenübungsplatz Münsingen schließen: Die Sperrzone, so groß wie ein Landkreis, war Schandfleck und Herz der Region zugleich. In einem Bürgerforum setzten sich die Münsinger zusammen, um über die Zukunft zu sprechen. Andreas ist Architekt aus dem Ort und wollte die heimische Wirtschaft retten, Michael Mitglied des Naturschutzbundes Deutschland – er wollte eher die Natur auf dem Truppenübungsplatz retten, die trotz (oder wegen) Beschuss über Jahre ungestört gedeihen konnte. Seltene Arten, verwunschene Ecken – ein Paradies für Naturfreunde.

Hopfenburg-3Als Andreas einige Jahre später entdeckte, dass mitten in dieser schönen Natur ein herkömmlicher Campingplatz entstehen sollte, schlug er Alarm. Der Bürgermeister hörte ihm zu und versprach zu helfen. Andreas machte sich auf die Suche nach einem anderen Gelände – und fand die Hopfenburg, einen großen Bauernhof am Rande von Münsingen, der zum Verkauf stand. Der Architekt und der Umweltschützer taten sich zusammen – und entwickelten ihren Traum von Campingplatz. Und sie setzten ihn um, fast ohne Abstriche vom Ideal. Ein Kraftakt.

Hopfenburg-2Sie hätten es sich leicht machen können, aber das ist nicht ihr Weg. Michael und Andreas pflanzten 500 Bäume auf den ehemaligen Wiesen des Hofes, die in einigen Jahren Schatten auf die Urlauber werfen sollen. Sie fuhren durch die Republik, um die schönsten Schäferwagen zu finden, noch dazu aus ökologischen Baumaterialien. Kein Styropor, keine Folie, jeder einzelne handgefertigt für das Hofgut. Lange suchten sie auch nach Jurten-Zelten. Sie fanden sie schließlich in einem Reisebericht aus Kirgisien. Seitdem lassen sie ihre Jurten in alter handwerklicher Tradition im Biosphärenreservat Issyk Kul von Normadenfamilien herstellen und per LKW auf die Schwäbische Alb bringen. Klar, dass auch die Tipis nach Originalvorlagen der Sioux-Indianer gefertigt wurden.

Hopfenburg-4Auch an den früheren Bauernhof erinnert heute noch einiges: Alte Tierrassen haben auf der Hopfenburg ein zu Hause. Flauschige Poitou-Esel zum Beispiel, die schwersten Esel der Welt. Oder Hinterwälder Rinder – drei an der Zahl, nämlich Babette, Bella und Silvester. Und rund 40 Waldschafe. Die alten Hofgebäude wie Scheunen oder Backhaus wurden restauriert und beherbergen heute Festsaal, Restaurant oder Hofladen.

Das Ergebnis ist eine Ferienanlage, der man die Mühe, den Einsatz, die Kraft der Macher in jeder Ecke anmerkt. Eine weite, leicht ansteigende, grüne Wiese, locker verteilt darin die Schäfer- und Zirkuswagen, Roulettes und Tuareg-Zelte. Die Jurten haben ein eigenes kleines Dorf am Fuß des sanften Hügels. Hopfenburg-1Oben, am Ende deer Wiese, thront das Tipi-Dorf: so, wie man es sich im Wilden Westen vorstellen würden. Mit einem Feuerplatz in der Mitte, darum im Halbkreis die erhabenen, weißen Indianerzelte. Es gelingt nur wenigen Plätzen in Deutschland, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Tipis nicht wirken, als seien sie vom Mond gefallen. Hier, auf der Hopfenburg, haben sie das geschafft.

2011 öffnete das Hofgut Hopfenburg für die Besucher. „95 Prozent der Menschen, die zu uns kommen, sind nett,“ mein Michael. Dass sie diese Gäste für die Natur begeistern können, dass sie ihnen ihre Heimat nahebringen, das entschädigt sie für manch schlaflose Nacht. „Für alles und jedes brauchten wir ein Gutachten – Lärm, Umweltverträglichkeit,“ erinnert sich Andreas. Sie haben Kredite aufgenommen für ihren Traum. „Wenn wir gewußt hätten, was kommt – ich weiss nicht, wie wir uns entschieden hätten,“ sagt er. Heute bliebe ihnen nichts anderes übrig, als an ihre große Idee zu glauben.

Hopfenburg-5Wer über die Hopfenburg streift, der kann sich allerdings auch nichts anderes vorstellen, als dass dieser junge Urlaubsplatz ganz alt wird. Dass er viele Menschen anzieht und begeistert. Weil er einzigartig ist. So einzigartig wie die Menschen, die hinter ihm stehen. Die allen Mut zusammen nahmen und an sich und ihre Idee glaubten.

Den Zeltplatz auf der Hopfenburg gibt´s ab ab 7,85€ pro Nacht, zusätzlich zahlen Erwachsene 7,20€, Kinder ab 3 Jahren 4€. Schäferwagen für zwei Personen kosten 41€, das Tipi für 4 Personen 46€ pro Nacht, plus Endreinigung und Bettwäsche.

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